Die weiße Folie wird von den Industriekletterern installiert. Dazu bewegen sie sich auf den rot-grünen Sicherheitsnetzen. | © Matthias Bungeroth
 
Quelle: NW.de  | Stand: 13.08.2016 15:35 Uhr – Lesezeit: ca. 4 Min.

 

Die Stahlkonstruktion in 28 Meter Höhe erhält neuen Korrosionsschutz / Dazwischen wird Hightech-Folie verspannt

Halle. Diese Frauen und Männer haben echt was auf dem Kasten. Bei strömendem Regen bewegen sie sich wie Gemsen auf den Netzen, die in schwindelerregender Höhe zwischen Stahlträgern gespannt sind. Unter ihnen mit Folien abgehängte Tribünen und der Innenraum des Gerry-Weber-Stadions, in dem seit 1993 eines der besten Tennisturniere der Welt stattfindet und sich bekannte Musikgrößen wie David Garrett, Anna Netrebko, Elton John oder Peter Maffay die Klinke in die Hand geben.

Dass Zuschauer wie Stars in der Super-Event-Arena Ostwestfalen-Lippes nicht nass werden, verdanken sie der einzigartigen Dachkonstruktion aus Folie, die es seit Juli 1993 gibt. „Das war eine visionäre Idee“, schwärmt Ralf Weber, Hausherr und Chef der Gerry Weber World. Denn der durch das Dach erheblich verbesserte Komfort der Arena hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in dem bis zu 11.500 Zuschauer fassenden Stadion bis heute rund 4,5 Millionen Besucher gezählt werden konnten.

Wie nötig ein solches Dach ist, zeigt der an diesem Tag nicht enden wollende, ostwestfälische Landregen. Doch dieser bringt die Spezialisten auf der Baustelle nicht aus dem Takt. Weiter wird daran gearbeitet, dass die Stahlträger die das Dach halten, einen neuen Korrosionsschutz bekommen.

Dafür werden zunächst 24 Tonnen Strahlmittel und danach 2,1 Tonnen Farbe verbraucht, wie Peter Spannhoff, Chef des federführenden Ingenieurbüros aus Melle, erläutert. Was hier seit der Auftragsvergabe im Dezember in Planung und Ausführung des Projekts gestemmt werde, nennt Spannhoff „eine gigantische Leistung“. Alleine 6.000 Arbeitsstunden wurden für die Entrostung der gewaltigen Stahlkonstruktion aufgewendet, die das Dach tragen.

Das Projekt ist eine große Herausforderung“, so Rainer Stromberg, Chef der gleichnamigen Firma aus Duisburg, die auf Oberflächentechnik spezialisiert ist. 120 Tonnen Gerüstmaterial mussten verbaut werden, bevor es losgehen konnte. Dieses wurde auf zwölf Hängegerüste verteilt, die am Boden vormontiert wurden. Ein 160 Tonnen Autokran war nötig, um alles an der Fassade anzubringen.

Strombergs Projektleiter Werner Fröhlich: „Das war eine absolute Teamarbeit.“ Für die Montage der Gerüste und Netze zwischen den Stahlträgern, die als Absicherung gegen Stürze über dem Stadion gespannt wurden, wurden Industriekletterer eingesetzt, wie Fröhlich erläutert. Und das alles in bis zu 28 Metern Höhe.

Die Netze werden aber auch von den Experten der Firma Ceno Tec Membrane mit Sitz im münsterländischen Greven als Arbeitsfläche genutzt. Denn sie sind nun dabei, die 22 Segmente zwischen den Stahlträgern wieder mit Hightechfolie zu verspannen, damit es auch in Zukunft nicht mehr ins Stadion regnet.

„Das hält wieder die nächsten 25 Jahre“, sagt Michael Hofmann, Prokurist der Firma Ceno Tec, im Gespräch mit dieser Zeitung. In der Tat hat das PVC-beschichtete Textilmaterial, das hier neu eingesetzt wird, eine ernorme Reißfestigkeit. „An einem ein Meter breiten Membranstreifen können zum Beispiel sechs Porsche Cayenne aufgehängt werden“, so Hofmann.

„Die Zeit ist ein große Herausforderung“, sagt Meike Nieger, Diplom-Ingenieurin bei Ceno Tec, die ständig auf der Baustelle präsent ist. „Der äußere Korrosionsschutz und die Membranmontage laufen gleichzeitig.“ Das habe bislang alles reibungslos und vor allem unfallfrei funktioniert, bilanzieren die Baufachleute.

Alle sind deshalb zuversichtlich, dass das Projekt mit einem Kostenvolumen von 2,2 Millionen Euro pünktlich fertig sein wird. Am 17. September spielt an selber Stelle die Band „Silbermond“.

Das Dach in Zahlen:

  • Überdachte Grundfläche des Membrandaches: 6.050 Quadratmeter
  • Erforderliche Materialmenge zur Erstellung des Daches: 11.410 Quadratmeter
  • Es werden etwa zwei Kilometer Membranseile erneuert
  • Hinzu kommen 3.350 neue Schraubverbindungen

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=> zum Artikel im „HALLER KREISBLATT“