Quelle: NDR.de | Stand: 18.03.2015 13:57 Uhr – Lesezeit: ca.3 Min. 

Der größte Tankdeckel Schleswig-Holsteins – dahinter verbirgt sich nicht etwa der Weltrekordversuch eines Autoteilezulieferers. Das 300 Tonnen schwere Ungetüm mit einem Durchmesser von 53 Metern soll vielmehr der Deckel für einen riesigen Rohöltank in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) werden. Der Tank wird eines Tages ein Fassungsvermögen von 50.000 Kubikmetern haben. In ihm soll dann Rohöl von der Förderplattform „Mittelplate“ gelagert werden. Doch noch haben die Mitarbeiter der Firma „JPM“ alle Hände voll zu tun, bis es soweit ist. „Für den Tank brauchen wir etwas mehr als ein Jahr vom Auftragseingang bis zur Übergabe an ‚Total'“, sagt Geschäftsführer Ralph Zenk.

Der größte Tankdeckel Schleswig-Holsteins

Größter Öltank Schleswig-Holsteins wird zur Inbetriebname vorbereitet © NDR Fotograf: Jörn Schaar

Noch liegt der größte Tankdeckel Schleswig-Holsteins auf dem Boden dieses Tanks. Mit dicken Schläuchen wird Wasser in den riesigen Behälter gepumpt, damit der Deckel aufschwimmt.

Der Deckel ist das Herzstück

Noch während ringsherum der Tank hochgezogen wird, baut seine Firma im Inneren den Deckel zusammen. „Der besteht aus 90 tortenförmigen Pontonkammern und soll später auf dem Rohöl schwimmen. Die Kammern sind alle flüssigkeits- und gasdicht, damit wir keine Probleme bekommen, wenn ein einzelner Hohlraum vollläuft“, so Zenk. Der Bau geschieht auf provisorischen Stützen, die fest mit dem Tankboden verschweißt sind und später entfernt werden. „Der Deckel bekommt eigene Stützen, damit er nicht auf dem Boden aufliegt, wenn der Tank einmal leergepumpt werden muss“, erklärt Projektleiter Henning Körner. „Deswegen pumpen wir heute Wasser in den Tank, damit der Deckel zum ersten Mal aufschwimmt.“

Zehn Badewannen für einen Millimeter

Seit kurz nach acht laufen die großen Dieselpumpen des Löschsystems von „Total“. Mit einem Druck von acht bar pumpen sie hunderttausende Liter Wasser in den Tank. „Um den Wasserstand im Tank um einen Millimeter anzuheben, brauchen wir ungefähr 2.200 Liter Wasser – das ist ungefähr die Menge, die in zehn Badewannen passt“, rechnet Körner vor. Draußen vor dem Tank kann man jetzt nur warten. Trotzdem sind aus dem Inneren Arbeitsgeräusche zu hören: Da wird gehämmert und geflext. „Wir arbeiten jetzt noch in der Tasse, überprüfen die Schweißnähte und verstärken die Außenwand“. Die „Tasse“ ist im Prinzip ein Auffanggefäß, das außen um den kompletten Tank hochgezogen wird.  „Für den Fall eines Lecks im Tank haben wir so zusätzliche Sicherheit. Da wird im Notfall auch das Wasser der Löschanlage aufgenommen und kann später sicher entsorgt werden“, sagt „Total“-Projektleiter Caglayan Pire.

Nachmittags schwimmt der Deckel

Kurz vor vier ist es, als aus dem Inneren des Tanks die entscheidende Wasserstandsmeldung eintrifft: „Drei Meter Wasserhöhe!“ Jetzt können die Stützen angebracht werden. Das sind etwa drei Meter lange Rohre aus Stahl, die mit vereinten Kräften in die vorbereiteten Muffen geschoben werden. Mit einem etwa fünf Zentimeter starken Bolzen sichern die Arbeiter anschließend die Stützen. „Wir müssen da sehr genau messen, die Stützen müssen so gleichlang wie möglich sein“, so Projektleiter Körner. „Sonst würde das Gewicht des Deckels auf einigen wenigen Stützen ruhen, und das würde den Deckel beschädigen.“

Arbeiten an Deckel- und Riesentank noch bis Ende des Jahres

Rund 120 dieser Stützen müssen die Männer noch einbauen. Dazu arbeiten sie in drei Teams: „Die einen messen, die anderen schneiden auf die richtige Länge zu und das letzte Team stellt die Stützen auf. Dann sind wir in ungefähr einem Arbeitstag damit fertig“, sagt Körner. Wenn alle Stützen eingebaut sind, bekommt der Deckel noch einen großen Dichtungsring. Danach folgt die TÜV-Abnahme und der Außenanstrich. „Bis zum Jahresende muss der Tank einsatzbereit sein“, sagt „Total“-Projektleiter Pire. Dann muss der Nachbartank geleert und auf seinen technischen Zustand überprüft werden. Pire ist zuversichtlich: „Wir liegen gut im Zeitplan.“

 

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